Maxim Schewtschenko: Kiew und USA profitieren am meisten vom Mord an Sachartschenko

Ich muss meine Meinung aus dem letzten Post, der nach Moskau hinter dem Mord an Sachartschenko stehen würde, wieder korrigieren. Überraschenderweise äußerte sich Maxim Schewtschenko kategorisch gegen diese Theorie und begründete das damit, dass die USA dringend einen Grund bräuchten, um die anbahnende Verbesserung der Beziehungen zwischen Russland und Deutschland und damit einhergehende Fertigstellung des Nordstreams 2 und Verlegung der Pipeline aus dem Schwarzen Meer nach Europa zu verhindern. Nichts wäre hierfür besser geeignet als ein Wiederaufflammen des bisher einigermaßen konservierten Konflikts in der Ost-Ukraine. Wenn also Kiew dahinter stehen sollte, dann kann das nur auf Geheiß oder gar unter Mitwirkung der USA geschehen sein.

Warum ich nur wegen Schewtschenko’s Meinung, so einfach meine eigene ändere? Weil ich die Tätigkeit Schewtschenko’s schon seit 5-6 Jahren ganz genau verfolge und ich ihn neben Konstantin Syomin (Константин Сёмин) aktuell als den intelligentesten Journalisten/Analytiker überhaupt betrachte. Dabei hat er sich seine Kenntnisse nicht einfach nur angelesen, sondern war viele Jahre lang als Kriegsreporter in den gefährlichsten Gebieten unterwegs und verfügt mittlerweile europaweit über Kontakte in die höchsten politischen Ebenen hinein. Als ehemaliger Mitglied des „Rats für Menschenrechte“ hat er sich vor allem im Kaukasus einen Namen gemacht. Ausserdem hat ihm die Tätigkeit in diesem Rat direkten Kontakt zu Putin ermöglicht, dem er unter anderem in 2016 ein höchstkritisches Bericht über die dagestanische Regierung und deren zahlreiche Verletzungen der Menschenrechte direkt übergeben hat (siehe hierzu auch diesen Artikel). Diesen Rat hat er vor Kurzem aus Protest verlassen. Nach seiner offenen Kritik an Israel in einer Sendung im ersten russischen Fernsehsender, bei der er tatsächlich einen ranghohen Hamas-Vertreter live in die Sendung geschaltet hat 😂 und nachdem er sich auch außerhalb seiner Sendungen im staatlichen Fernsehen hart über die Zionisten geäußert hat, wurden alle seine Sendungen im staatlichen Fernsehen eingestellt und er war zuletzt nur noch in dem als prowestlich und „liberal“ geltendem Radio „Echo Moskau’s“ regelmäßiger Gast. Erst neulich bei den Wahlen konnte er sein Boykott vorübergehend umgehen indem er bei den Wahl-Debatten im Fernsehen den parteilosen jedoch für die russische kommunistische Partei kandidierenden Grudinin vertrat und damit die kommunistische Partei (KPRF/КПРФ) zur zweitstärksten in Russland machte mit offiziellen 12%. Er ist also auf der einen Seite Bolschewist, auf der anderen Seite jedoch gläubiger Christ und zugleich einer der größten aktiven Unterstützer der islamischen Bevölkerung in Russland. Er ist durch seine Positionen sowohl mit patriotischen Kreisen im engen Kontakt und kannte einige wenn nicht alle der im vorhergegangenen Artikel genannten, getöteten Kämpfer in der prorussichen Ost-Ukraine persönlich, kritisiert jedoch aus linker Sicht ständig die russische Regierung und benennt offen die Probleme im Land. Aktuell führt er einen politischen Kampf gegen die korrupte Gouverneurin der russischen Region Vladimir nahe Moskau und kritisiert unter anderem auch Putin (wegen der Rentenreform) sehr stark.

Nochmal zusammengefasst: Schewtschenko ist super intelligent und alleine schon dadurch in der Lage gute Analysen zu betreiben, verfügt aber darüber hinaus über beste Kontakte sowohl zu den prorussischen Eliten in der Ost-Ukraine als auch in Moskau, war in der Ost-Ukraine mehrfach als Journalist in Kampfgebieten unterwegs und kannte Sachartschenko persönlich und (seinen eigenen Worten nach) sehr gut. Er ist in der Opposition zu der aktuellen russischen Macht und hätte eigentlich genügend Gründe, um alles dem Kreml zuzuschieben. Erst recht nach der Ermordung seines engen Freundes Orchan Djemal (Орхан Джемаль) in Zentralafrika, wo er im Auftrag von Chodorkowskij eine Reportage über die russischen „Wagner“-Söldner gedreht hat / hätte drehen sollen. Tut er aber im Falle von Sachartschenko nicht und hält diese Theorie für gänzlich abwegig und sieht stattdessen bei dem Mord an Sachartschenko den Versuch seitens der USA den Konflikt in der Ost-Ukraine wieder zu entflammen und damit in der EU eine neue antirussische Hysterie-Welle loszutreten, die wiederum die Verlegung der beiden neuen Pipelines aus Russland nach Europa verhindern soll.